Innovationspreis für Hämophilie-Projekt
Anfang November wurde die Projektgruppe der Zentren für Hämostaseologie in Münster, Frankfurt und Berlin für den HaemoassistTM mit dem Innovationspreis 2007 ausgezeichnet. Damit würdigte die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) den innovativen Ansatz des elektronischen Substitutionstagebuchs für die Hämophilie-Therapie, welches in Zusammenarbeit von Hämostaseologen, der Clinischen Studien Gesellschaft mbh (CSG), Wyeth Pharma AG und der Condat AG entwickelt wurde.
(v.l.n.r.) Dr.Berthold Siegmund (Institut für Thrombophilie und Hämostaseologie, Münster), Barbara Weise (CSG), Dr.Annette Galler (Wyeth Pharma AG), Dr. Robert Klamroth (Hämophiliezentrum, Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin), Dr. Wolfgang Mondorf (Haemostas-Frankfurt), Dr. Martina Westfeld (Wyeth Pharma AG), Dr. Hartmut Pollmann (Institut für Thrombophilie und Hämostaseologie, Münster), Herr Jo van Nouhuys (Condat AG)
Hämophilie ist eine X-chromosomal rezessiv vererbte Erkrankung, die durch eine Blutgerinnungsstörung und damit verbundener Neigung zu spontanen Blutungen gekennzeichnet ist. Typisch sind Blutungen in Gelenken, Haut und Muskeln. Aber auch im Gehirn oder anderen Organen können Blutungen auftreten und teilweise zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Hämophilie-Patienten sind deshalb auf eine lebenslange Substitution des fehlenden Blutgerinnungsfaktors angewiesen. In den 1970er Jahren wurden die ersten Versuche einer ärztlich kontrollierten Heimselbstbehandlung in Deutschland unternommen, die für die Betroffenen mit einem enormen Gewinn an Lebensqualität einhergingen. Bis heute hat sich diese Therapieform in der Hämophilie flächendeckend durchgesetzt. Der Patient führt die intravenösen Faktorinjektionen nach ärztlicher Anleitung selbstständig zu Hause durch. Für diese Freiheit sind Patienten jedoch nach § 14 des Transfusionsgesetzes dazu verpflichtet, eine Dokumentation ihrer Faktorsubstitution durchzuführen. Die injektionsbezogenen Daten wurden bislang in ein haptisches Substitutionstagebuch eingetragen, das dem Arzt beim Routinebesuch etwa alle drei bis vier Monate vorgelegt wird. Für den Arzt stellen diese Dokumentationen zwar eine wichtige Informationsquelle dar, das Problem ist jedoch, dass ungewöhnliche Substitutions- oder Blutungsmuster häufig nicht rechtzeitig erkannt und ausreichend behandelt werden konnten.
Optimales Therapiemonitoring
Die Lösung dessen stellt der HaemoassistTM dar. Hierbei handelt es sich um ein elektronisches Substitutionstagebuch, das auf einem PDA (Personal Digital Assistant) basiert. Das Gerät verfügt über eine einfache Menüführung, die es dem Hämophilie-Patienten ermöglicht, innerhalb von zwei bis drei Minuten alle vorgeschriebenen injektionsbezogenen Daten zu dokumentieren. Nach der Eingabe werden die Daten pseudonymisiert und SSL-verschlüsselt über Mobilfunk an eine gesicherte Datenbank übertragen. Der Arzt kann sich über die HaemoassistTM Online-Anwendung mit passwortgeschützten Zugang in die Datenbank einloggen und erhält somit tagesaktuelle Informationen zur Therapie seines Patienten. Ein wichtiges Element von HaemoassistTM sind die sogenannten Reminder. Treten bei dem Patienten möglicherweise kritische Blutungsereignisse, die in dem System vordefiniert sind, auf, so erhält der Patient eine Nachricht, sich mit seinem Arzt in Verbindung zu setzen. Zusätzlich wird auch der behandelnde Arzt via Email über das Ereignis in Kenntnis gesetzt, wodurch er zeitnah eine Therapieanpassung vornehmen kann.
Optimales Patientenmanagement
Neben den injektionsbezogenen Daten kann in dem System - mit Zustimmung des Patienten - mittels des Fragebogens SF12 halbjährlich auch die Lebensqualität durch Patienten erfasst werden. Diese zusätzlichen Informationen sind für den Arzt für die Beurteilung des Allgemeinbefindens von großer Bedeutung. Des Weiteren kann der behandelnde Arzt nicht nur die aktuellen injektionsbezogenen Daten seiner Patienten zeitnah einsehen, sondern auch auf die Historienseite zugreifen. Damit kann er ebenfalls das Verschreibungsvolumen und den tatsächlichen Faktorverbrauch miteinander vergleichen. Zudem erhält er über das System halbjährlich einen standardisierten Bericht, der neben patientenspezifischen Analysen auch Auswertungen über alle Patienten des Zentrums und Vergleiche mit der Gesamtheit der teilnehmenden Zentren ermöglicht. Hierdurch trägt der HaemoassistTM wesentlich zu einer verbesserten Transparenz und Qualitätssicherung in der Hämophilie-Therapie bei.
Clinische Studien Gesellschaft mbH (CSG)
CSG entwickelte zusammen mit den Hämostaseologen und der Condat AG im Auftrag von Wyeth Pharma das Konzept des Systems. Im laufenden Projekt ist die CSG für Serverhosting, Datenhaltung und -verarbeitung, Support, Organisation der PDAs, Berichterstellung sowie die Einbindung weiterer Ärzte und neuer Patienten in das Projekt zuständig.